Wolf Renz-Herzog: Zwischen Film und Musik

4. Mai 2011 | Abgelegt unter Blasmusik, Filmmusic / Score, Klassik, Komponisten (Autoren), Labels, Lieder, Orchesterwerke, Publishing, Style, The Frankfurter Label, Volksweisen

Seine Vorfahren schrieben Zirkusgeschichte. So war der Ur-Urgroßvater der berühmte Cornelius RENZ (1787-1856) und dessen Schwiegersohn der ebenso bekannte Zirkusdirektor Heinrich Herzog (und Ernestine, geb. Renz *1840) aus Dresden.

Wolf Renz-Herzog wurde als Sudetendeutscher am 26. Dezember 1924 in Prag geboren. Ausbildung (Regie und Theater) an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (Universität Prag) sowie an der UFA in Berlin. Zu seinen Lehrern an der Musikhochschule Prag zählten Finke und Keilberth.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs arbeitete er zunächst als Orchesterleiter in amerikanischen Clubs. Im Jahre 1948 übernahm Renz-Herzog die Leitung des Harz-Theaters in Bad Lauterberg und wurde 1950 Assistent von Carl Froelich in Berlin. In den 1960ern arbeitete er beim Film, produzierte 50 Filme in Eigenregie vom Drehbuch bis zum Schnitt (u.a. Finnische-, Türkische- Schwedische-, Dänische Skizzen, Tierfilme u.v.m.).

Ab 1973 gehörte er als Dozent dem Richard-Strauß-Konservatorium in München an. Bundesdirigent an der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf. Von 1984 bis 1988 war er als Verbandsdirigent des Musikbundes von Ober- und Niederbayern tätig. Bis in die 1990er war er mit internationalen Dirigaten aktiv.

BERUFE:
::: Regisseur und Schauspieler (Theater & Film)
::: Filmemacher (Buch, Regie, Kamera, Schnitt & Musikkomposition)
::: Komponist & Dirigent
::: Ausbildungsleiter der staatlich geprüften Dirigenten für Blasorchester (Musikakademie Marktobersdorf)

PREISE:
::: Erster Preis für seinen Film ”Leicht hat man’s nicht” (Diploma IV certamen international CIDALC cinema, 1961)
::: Kulturpreis für Musik 1979 verliehen von Dr. Franz-Josef Strauss

KOMPOSITIONEN (Auswahl):
Lieder für Singstimme und Klavier
Kammermusik
Musiken für Orffsches Schulwerk
Schulmusiken
Walzer, Thema & Fuge (Klavierkonzert)
Walzer für großes Orchester
50 Kompositionen zu Theater- und Filmmusiken
Kompositionen für Blasorchester

U.D.A

Wolf Renz-Herzog – Ein Leben zwischen Film und Musik

Wolf Renz-Herzog steckt sich seine Hörgeräte in die Ohren und schmunzelt. „Auch berühmte Musiker wie Beethoven waren schwerhörig.“ Der Komponist, Dirigent, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler hat ein bewegtes Leben hinter sich: Als Sudetendeutscher 1924 in Prag geboren, erlebte er den Zweiten Weltkrieg mit. Nach einem rastlosen Leben ließ sich der 86-Jährige vor rund dreizehn Jahren mit seiner vierten Frau im bayerischen Buchloe nieder. Hier möchte der Pensionär seinen Lebensabend in Ruhe verbringen.

„Eigentlich wollte ich gar kein Komponist werden“, erinnert sich Renz-Herzog. Doch als er an der Hochschule in Prag Regie und Theater studierte, meinte eines Tages mein Rektor Fidelio Finke: „Junge, deine größte Begabung liegt in der Musik.“ Der Mann nahm ihn unter seine Fittiche und Renz-Herzog erhielt parallel eine Ausbildung in beide Richtungen. Bei Kriegsbeginn hielt er sich in Berlin auf und arbeitete mit seinem Onkel, der Reichsfilmkammerpräsident war. Als man ihn als wehrdienstuntauglich abstempelte, ging er zurück nach Prag. „Von nun an blieb ich stets so lange an einem Theater in einer Stadt, bis auffiel, dass da ein junger Deutscher ist, der noch nicht zur Wehrmacht eingezogen wurde“, erzählt der Pensionär. So habe er sich „über den Krieg hinausmanövriert.“

Mit dem Theater und Kurorchester in Marienbad sollte Renz-Herzog unmittelbar nach dem Krieg im „special service“, also zur Unterhaltung der amerikanischen Besatzung, auftreten. Und so kam er zu seinem ersten Dirigat: Der eigentliche Dirigent durfte – „da er in der Partei gewesen war“ – nicht auftreten. „Kannst du oder kannst du nicht?, wurde ich gefragt und einfach auf die Bühne gestellt“, grinst der spätere Bundesdirigent. Und er musste können, denn hätte das Orchester nicht gespielt, wäre es laut Renz-Herzog in die Kohlengruben nach Tschechien geschickt worden. Als sich das Orchester später auflöste und der Musiker arbeitslos wurde, endete auch die erste Ehe: „Heute würde ich auch nie wieder mit 19 Jahren heiraten.“

Es verschlug den jungen Schauspieler in den Harz, wo er einen Theater-Vertrag bekommen sollte. Doch dem war nicht so, denn weder Engagement noch Theater gab es. „Mit 2,50 Mark in der Tasche kam ich bei einem Zahnarzt und dessen Tochter mit unehelichem Kind unter“, erinnert sich Renz-Herzog, „und da blieb Wölfchen hängen.“ Was aber auf Dauer nicht funktionierte. Er ging zurück zu seinem Onkel nach Berlin und arbeitete wieder beim Film. Als er eine Konzertpianistin kennenlernte – sie wurde seine dritte Frau – begann er eigene Filme zu machen. „Ich hatte in Prag alles gelernt und produzierte nun 50 Filme selbst, vom Drehbuch bis zum Schnitt.“ Zusätzlich komponierte Renz-Herzog für seine Frau. Aber gerade, als die beiden durch den Verkauf der Produktionen so viel Geld zusammen hatten, dass sie davon leben konnten, starb die Pianistin 1968 an Krebs. „Von da an war alles tot“, blickt der Witwer zurück, „zum Film wollte und konnte ich nicht mehr. Und mit dem Theater hatte ich zu lange pausiert, um wieder Fuß zu fassen.“ Dafür wurde er Bundesdirigent: „Ich hatte viel Glück, da einige Leute mich mochten und gerade ein Bundesdirigent gestorben war“, erklärt er. Zehn Jahre verbrachte der Musiker an der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf. Währenddessen dirigierte er die Kapellen in Eichenau und Gröbenzell. „Aber ich wurde unzufrieden und merkte, dass ich die Allgäuer Dickköpfe nicht weiterbringen kann“, schmunzelt er. Schließlich gab er an seinem 65. Geburtstag den Dirigentenstab ab.

Der Pensionär zog nach Niedersachsen und gab alle musikalischen Tätigkeiten bis auf „ein paar internationale Dirigate“ auf. 1994 beispielsweise war er in Riga (Lettland). Dort lernte er seine heutige Frau kennen. „Obwohl sie Diplom-Ingenieurin ist, fand sie in Niedersachsen keine Arbeit“, erzählt Renz-Herzog, „deshalb wollte sie nach Bayern ziehen.“ Er war zuerst skeptisch, trotzdem fuhr das Ehepaar einige Wochen darauf nach Buchloe und sah sich einen Bauplatz an: „So bin ich hier gelandet.“

Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

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